In seinen Kosmos-Vorlesungen berichtete Alexander von Humboldt im Zusammenhang mit Vulkanismus über die plötzlich entstandene Insel Sabrina. Eine mögliche Quelle für sein Wissen ist der Bericht des Britischen Captain S. Tillard. Dieser beobachtete den Ausbruch eines Untersee-Vulkans und die daraus resultierende Erschaffung der Insel in den Azoren im Jahr 1811. Ein Jahr später veröffentlichte er seine Beobachtungen in den Transactions of the Royal Society London. Aus dieser Veröffentlichung haben wir hier den Teil zusammengetragen, der unmittelbar auf die Entstehung der Insel Bezug nimmt. Für unsere digitale Aktualisierung der Kosmos-Vorlesungen haben wir aktuelle Bilder eingefügt, die Tillards dramatische Beschreibungen visualisieren:

Captain Tillards Augenzeugenbericht

Als wir uns der Insel St. Michael, am Sonntag dem l2. des Juni 1811, in der Korvette HM Sabrina näherten, [..] da beobachteten wir gelegentlich, zwei oder drei Rauchsäulen sich im Horizont erhebend [..] Da der Rauch zunahm und höher anstieg und wir zudem gehört hatten [..], dass im vorhergehenden Januar oder Februar ein Vulkan inmitten der See in der Nähe von St. Michael hervorbrach, beschlossen wir sofort, dass der Rauch diese Ursache hatte [..] Bei unserem Anlegen in der Straße von Ponta del Gada fanden wir unsere Vermutung bestätigt [..]; der Ausbruch des Januars war komplett verraucht, der Gegenwärtige jedoch, hatte nur zwei Tage vor unserem Anlanden begonnen, und zwar etwa drei Meilen vom vorherigen entfernt [..].

Von der Stadt Porta del Gada aus brach ich am Morgen des 14., in der Gesellschaft von Herrn Read, dem Generalkonsul der Azoren und zwei anderen Herren auf. Nach einem Ritt von etwa zwanzig Meilen über das NW-Ende der Insel von St. Michael erreichten wir den Rand einer Klippe, vor welcher der Vulkan nach unserer Wahrnehmung plötzlich in ungeheurer und schrecklichster Großartigkeit zerplatzte[..]

Stellen Sie sich einen riesigen Rauchkörper vor, der sich vom Meer erhebt; die Meeresoberfläche durch das silberfarbene Plätschern der Wellen gekennzeichnet, die durch das Licht und die stetigen Brisen verursacht sind, wie sie in jenem Klima zum Sommer gehören. Im Ruhezustand hatte er das Äußere einer kreisförmigen Wolke, die auf dem Wasser wie ein horizontales Rad in verschiedenen und unregelmäßigen Involutionen kreist, sich aber allmählich auf der Lee-Seite ausbreitete [..]

Plötzlich schnellte eine Säule der schwärzesten Asche - mit Steinen versetzt - spitzförmig hervor. Dieser folgte schnell eine zweite, dritte und vierte in ansteigender Geschwindigkeit die vorherige übertrumpfend, bis sie eine Höhe weit über dem Niveau unseres Auges erreicht hatten.

Als sich der Impuls [..] abschwächte, und sich ihr Aufstieg fast legte, verzweigten sie sich ähnlich einer Gruppe von Kiefern. [..] Diese wiederum nahmen einmal die Formen von Girlanden weißen, federartigen Rauchs an, in der fantasievollsten Weise, die man sich vorstellen kann, vermischt mit den feinsten Partikeln fallender Asche, die aussah wie unzählige schwarze und weiße, sich aufeinander türmende Straußenfedern. Ein anderes Mal die Formen leichter wehender Zweige einer Trauerweide.

Während dieser Ausbrüche wurden unaufhörlich die lebhaftesten Blitze aus dem dichtesten Teil des Vulkans ausgestoßen. Die Rauchwolke, die jetzt weit über den höchsten Punkt hinausreichte, den die Asche noch erreicht hatte, rollte in großen Massen von Schäfchenwolken davon, sich allmählich vor dem Wind fast horizontal ausbreitend. Diese zogen eine Menge von Wassertüllen zu sich herauf, und bildeten so eine vorzüglichste und bemerkenswerte Zugabe zur allgemeinen Natur der Szenerie.

Dieser Teil des Meeres, in dem der Vulkan gelegen war, erreichte eine Tiefe von dreißig Faden, und zur Zeit unserer Betrachtung war der Vulkan nur vier Tage alt. Bald nach unserer Ankunft auf der Klippe bemerkte ein Bauer, dass er eine Spitze über dem Wasser wahrnehmen konnte: Wir konnten sie nicht sehen [..] Jedoch in weniger als einer halbe Stunde war sie sichtbar. Etwa drei Stunden nach unserer Ankunft bildete sich ein Krater über dem Wasser auf der Seite, auf der die meiste Asche gefallen war, nicht weniger als zwanzig Fuß hoch. Der Durchmesser des Kraters war vierhundert oder fünfhundert Fuß.

Die großen Ausbrüche wurden meist von einem Geräusch wie die fortlaufende Zündung von Kanonen und Musketen begleitet, vermischt mit geringen Erdstößen. Einer der großartigsten Ausbrüche machte sich jedoch durch einen sehr schweren Erdstoß bemerkbar. Bis dahin hatten wir den Ausblick an der Klippe bei einem Picknick genossen. Mit diesem Erdstoß jedoch sprangen wir sofort und unwillkürlich auf. Plötzlich sahen wir, dass etwa fünfzig Yard zu unserer Linken ein beträchtlicher Teil der Klippenfacade abbrach und mit großer Wucht hinabstürzte. Sobald sich unsere erste Betroffenheit etwas gesenkt hatte, entfernten wir uns etwa zehn oder zwölf Yard weiter vom Rand der Klippe, und beendeten unser Dinner.

Am folgenden Tag, am 15. Juni, begleiteten mich der Konsul und einige andere Freunde an Bord meines Schiffes zum Vulkan. Wir beabsichtigten, die nächtliche Szenerie näher zu betrachten. Wir wurden jedoch vom dickem Nebel außerordentlich enttäuscht, und auch der Vulkan selbst war eindeutig ruhiger als am vorangegangenen Tag. Er strahlte nur selten einen vereinzelten Blitz aus. Direkt unter der großen Rauchwolke, etwa drei oder vier Meilen vom Vulkan, wurde das Deck des Schiffs mit feiner schwarzer Asche bedeckt, die vermischt mit feinem Regen herabfiel.

Als wir uns am 16. dem NW-Teils der Insel nach Einbruch der Dunkelheit näherten, bemerkten wir einen oder zwei Ausbrüche, die, wäre das Schiff nahe genug gewesen, schrecklich großartig anzusehen gewesen wären. Sie erschienen als ein kontinuierlich andauernder Flammenblitz.

Erst am 4. Juli kehrten wir nach St. Michael zurück und passierten mit dem Schiff die Insel, die vom Vulkan gebildet wurde und fast die Höhe von Matlock High Tor erreichte, etwa achtzig Yard über dem Meer. Da es nun vollkommen ruhig war, bestimmte ich, anzulanden und sie näher zu erforschen.

Ich verließ das Schiff mit einigen Offizieren in einem der Boote. Wir bemerkten, dass die Insel noch in vielen Teilen rauchte. Wir fanden die Brandung am Strand der Insel sehr hoch vor. Nachdem ich mich zur Leeseite mit ein paar kleineren Schwierigkeiten mithilfe eines Ruders als Leitstange annäherte, sprang ich auf die Küste, gefolgt von den Offizieren. Wir fanden einen schmalen Strand aus schwarzer Asche, auf der Seite, auf der sich die Insel zu steil erhob, um sie zu erklettern. Die Stellen, die wir hätten erklettern können, waren zu heiß, um unser Vorhaben zu erlauben.

Die Abschüssigkeit unter der Oberfläche des Meeres war ebenso steil - sieben Faden tief knapp eine Bootslänge vor der Küste, und in der Entfernung von zwanzig oder dreißig Yards loteten wir fünfundzwanzig Faden.

Da ich sie in etwa zwölf Minuten umlaufen konnte, gehe ich davon aus, dass die Insel etwas weniger als eine Meile im Kreisumfang war; aber der außergewöhnlichste Teil war der Krater, dessen Mund, auf der St. Michael zugewandten Seite, fast auf Meeresniveau lag. Er war mit Wasser gefüllt, das damals noch kochte, und sich durch einen kleinen Strom von etwa sechs Yard ins Meer entleerte, und durch den, so nehme ich an, er ständig wieder bei Hochwasser gefüllt würde. Dieser Strom, nahe dem Meeresrand, war so heiß, dass, wenn man nur den Finger kurz eintauchte, ihn sofort wieder herausziehen musste.

Es war offensichtlich, dass bei der Bildung dieses Teils der Insel das Meer während der Ausbrüche an zwei Stellen in den Krater eingebrochen war. Denn die Ostseite des kleinen Stroms war durch einen Abgrund begrenzt - eine Klippe zwischen zwanzig und dreißig Fuß hoch, in Form einer 30 Fuß breiten und fünfzig bis sechzig Fuß langen Halbinsel. Sie war verbunden mit dem anderen Teil der Insel durch einen schmalen Kamm von Asche und Lava, als eine Landenge von vierzig bis fünfzig Fuß Länge, von der aus sich der Krater in der Form eines Amphitheaters erhob.

Diese Klippe, zwei oder drei Meilen von der Insel [Halbinsel?] entfernt, sah aus wie ein Kunstwerk, das einem kleinen Fort oder Blockhaus ähnelte. Deren Spitze beschlossen wir, wenn möglich, zu erreichen. Aber die Schwierigkeit war beträchtlich. Der einzige Weg war die Seite der Landenge, die so steil war, dass wir nur mithilfe eines an der Basis befestigten Ruders uns in fast einer rückwärts gerichteten Richtung hochbewegen konnten.

Den Gipfel der Landenge erreicht, fanden wir eine weitere Schwierigkeit vor. Denn es war unmöglich auf dieser zu laufen, weil der Abstieg auf der anderen Seite ebenso unmittelbar und steil war, wie auf derjenigen, die wir empor gestiegen waren. Aber indem wir unsere Beine darüber warfen, wie man auf dem Dach eines Hauses klettert, und uns mithilfe unserer Hände bewegten, erreichten wir einen breiteren Teil der Landzunge, die zum Gipfel der Klippe hin eine vollkommen flache Oberfläche bildete.

Dies als die beste Gelegenheit ansehend, hissten wir den Union Jack und hinterließen eine versiegelte Flasche mit einer kurzen Beschreibung des Ursprungs der Insel und unserer Erkundung derselben, die wir zudem Sabrina Island tauften.

Innerhalb des Kraters fand ich das komplette Skelett eines Guardfish, dessen Knochen vollständig verbrannt waren, und beim Versuch, sie zu bergen, sofort auseinander fielen. Nach Aussage der Küstenbewohner von St. Michael wurden große Mengen an Fisch während des ersten Teils des Ausbruchs ausgelöscht; eine Vielzahl, wahrscheinlich erstickt oder vergiftet, wurden in die Buchten getrieben.

Die Insel, wie andere Produkte vulkanischer Aktivität, setzte sich hauptsächlich aus porösen Substanzen zusammen, allgemein zu Asche verbrannt mit gelegentlichen Steineinschlüssen. Ich nehme an, es handelt sich dabei um eine Mischung aus Eisen und Kalkstein, habe Ihnen aber Muster gesandt, um Ihnen zu ermöglichen, sich ein besseres Urteil zu bilden, als Sie es vielleicht durch jegliche meiner Beschreibungen können.


Textquelle:
Tillard, S. (1812) “A Narrative of the Eruption of a Volcano in the Sea off the Island of St. Michael” Philosophical Transactions of the Royal Society of London 102: pp. 152-158.

frei übersetzt von Petra Weschenfelder